Manche Menschen denken nicht. Das ist eine starke Aussage und ich meine sie so. Es geht mir dabei nicht um Intelligenz oder um Bildung. Es geht mir darum, wie Menschen ganz konkret mit der Realität umgehen.
Wenn du auf ein Problem stößt – etwa weil etwas nicht so ist, wie du es erwartet hast –, hast du verschiedene Möglichkeiten, darauf zu reagieren:
Nur die letzte dieser Reaktionen benötigt echtes Nachdenken. Die anderen vier Reaktionen sehen vielleicht aus wie Denken, aber sie simulieren es nur. Das Problem (oder vielmehr der Sinn) dahinter ist nämlich: Sie lassen dein Bild von der Welt unangetastet. Das Problem wird geleugnet, abgeschoben, delegiert oder beklagt. Alles, um zu vermeiden, sich wirklich damit auseinandersetzen zu müssen.
Denn das ist aufwändig und riskant: Wer ein Problem wirklich anerkennt, muss damit rechnen, vorher falsch gelegen zu haben. Das würde bedeuten, etwas an sich ändern zu müssen – also etwas anderes zu tun oder aber das eigene Weltbild zu korrigieren. Und das kann bedeuten, sein ganzes bisheriges Leben und die eigene gesamte bisherige Identität über den Haufen zu werfen. Und Menschen können unglaublich kreativ sein und unglaublichen Aufwand betreiben, um genau das mit aller Kraft zu verhindern.
Dummheit ist dabei nicht der Mangel an der Fähigkeit, zu denken. Dummheit ist die Fähigkeit, es zu vermeiden, wenn es unangenehm werden könnte.
Diese Art von Dummheit lässt sich an bestimmten Dingen erkennen: Dumme Menschen reflektieren ihr eigenes Verhalten und ihre eigenen Aussagen nicht, sondern nutzen ihre Aussagen und ihr Verhalten nur, um die eigene kognitive Dissonanz abzubauen.
Das kannst du gut beobachten, wenn manche Leute bei bestimmten Aussagen gar nicht auf den Inhalt der Aussage eingehen, sondern plötzlich nur auf bestimmte Reizwörter reagieren.
Oder wenn bei Widerspruch nicht der Widerspruch anerkannt oder widerlegt wird, sondern stattdessen die ursprüngliche Behauptung plötzlich eine andere ist als vorher.
Und das Spannende ist, dass es keine böse Absicht ist, sondern einfach ein reflexhaftes Verhalten, um den Gedanken nicht aufkommen zu lassen, sich vielleicht geirrt zu haben.
Ich behaupte daher, dass dumme Menschen sich nicht für dumm halten können – denn die eigene Dummheit zu erkennen, benötigt Intelligenz.
Ich behaupte daher auch nicht, dass ich nicht dumm sein kann. Ich kann wirklich strunzdumm, überheblich und ignorant sein. Aber ich weiß es, bemerke es manchmal sogar von alleine und versuche, damit umzugehen.
Und das ist der Punkt: Wenn ich mit meiner eigenen Dummheit umgehen kann, kann ich es auch mit der Dummheit anderer.
Wenn ich mit dummen Menschen diskutiere, versuche ich gerne, sie in ihre eigenen Widersprüche zu verwickeln und ihnen dann bei der Gehirnakrobatik zuzuschauen. Das geht relativ einfach mit höflichen Nachfragen. Und manchmal bin auch ich der dumme Mensch, mit dem diskutiert wird. Das hilft mir, mich weiterzuentwickeln.
